Veränderungen meistern: kleine Schritte gehen statt Ziele hoch stecken...

Zum Jahres-Start kursieren wieder viele Vorschläge, Ratschläge und Ideen, welche persönlichen Ziele wir uns im neuen Jahr vornehmen sollten: seine Ernährung umstellen, ökologisch einkaufen, mehr Sport treiben, mit dem Rauchen aufhören, mehr Zeit mit den Kindern/ Eltern/ Freunden verbringen, etc. Und trotz der vielen Tipps, wie auch die Umsetzung gelingen kann, schaffen es doch die wenigsten, ihre Ziele tatsächlich zu erreichen (in der Literatur schwankten die Angaben zwischen 70 und 90 %, die ihre Ziele nach wenigen Wochen schon wieder aufgegeben haben).

Daher geht es heute um die Frage, was eigentlich hilft, Veränderungen (im eigenen Leben aber auch z.B. übertragen auf Organisationen) zu verwirklichen.

Es geht mir explizit nicht um die Frage, ob Ziele an sich sinnvoll sind oder nicht – da kann man ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Eigentlich geht es mir um die Frage, wie wir erwünschte Veränderungen erreichen können (meistens sind Ziele ja nur ein Hilfsmittel, solche Veränderungen zu erreichen). Robert Maurer, ein Psychologe und Berater aus den USA, hat sich den japanischen Weg des KAIZEN als Modell genommen und basierend auf Studienergebnissen und eigener Beratungstätigkeit das Modell der „kleinen Schritte“ entwickelt.*


Small steps to reach goals.

Unser heutiger work-hack dreht sich also um die Frage, wie Ihr Veränderungen anstoßen und Schritt für Schritt Verbesserungen erreichen könnt - bis Ihr an dem Punkt angelangt seid, der Euch vielleicht von Anfang an als große Vision auch vorschwebte, aber unerreichbar schien.

Robert Maurers Weg der kleinen Schritte basiert auf 6 sogenannten Strategien*:


  • Kleine Fragen stellen: Beispiel: Welcher erste, ganz kleine Schritt könnte mir helfen, mich meinem Ziel, dieses Jahr mehr Sport zu machen, zu nähern?

  • Kleine Gedanken denken: heißt, eine Aufgabe in ihre kleinsten Bestandteile zerlegen und den ersten Schritt zunächst in Gedanken üben. Beispiel: ich lege meine tägliche Route zur Arbeit anders und fahre am Fitness-Center vorbei (noch ohne anzuhalten, ohne mich anzumelden, etc.)

  • Kleine Handlungen vornehmen: heißt, ein größeres Vorhaben in kleine Handlungen zerlegen und das Verhalten schrittweise ausüben. Beispiel: das als Weihnachtsgeschenk erhaltene Laufband ins Zimmer stellen und jeden Morgen 1 Minute darauf stehen (nicht laufen!).

  • Kleine Probleme lösen: heißt, Aufmerksamkeit zu entwickeln, selbst kleinste Fehler wahrzunehmen und diese entschieden zu bekämpfen. Beispiel: jeden Abend einen kleinen Fehler identifizieren, den ich gemacht habe, OHNE mich darüber zu ärgern oder mit mir zu hadern.

  • Kleine Belohnungen ausloben: als Form der Anerkennung sind kleine, wenig aufwändige Belohnungen geeignet, Veränderung zu festigen – große Belohnungen untergraben intrinsische Motivation. Beispiel: betriebl. Vorschlagswesen. Kleinere Belohnungen bewirken insgesamt mehr eingereichte Vorschläge und eine höhere Realisierungswahrscheinlichkeit als hohe Belohnungen.

  • Kleine, aber entscheidende Momente wahrnehmen (die alle anderen ignorieren): heißt Achtsamkeit zu entwickeln für den aktuellen Moment und z.B., darauf zu achten, wann Fehler NICHT passieren und diese Momente bewusst zu kultivieren. Wenn Sie also im neuen Jahr etwas verändern wollen, tun Sie das besser in kleinen Schritten. Wenn dann Ihr innerer Kritiker brüllt „WAS? DAS soll ein Ziel sein?“ und dabei hämisch lacht, könnte es sein, dass Sie mit dem ersten, sehr kleinen Schritt goldrichtig liegen.


Aber verlangt jetzt nicht von Euch, Euren Umgang mit Veränderungen von heute auf morgen zu verändern. Auch das funktioniert besser in kleinen Schritten.


Zum Nach- und Weiterlesen: * Maurer, Robert (2004): One small step can change your life. Workman Publishing, New York