Wehe, wenn sie zurückkehren... Teil 2: Kompetenzen für die Zusammenarbeit nach Corona

Miriam Meyer, Praktikantin bei Piri-Piri Consulting, hat in ihrem 80:20 selbstgesteuertem Projekt in ihrer Zeit bei uns zusammengetragen, was sie an aktuellen (Stand: April 2022) Ergebnissen zum Thema "Kompetenzen für die Zusammenarbeit nach Corona" finden konnte. Daraus ist u.a. ein Blog-Beitrag entstanden. Ein toller Überblick, den wir hier gern und verbunden mit einem herzlichen Dankeschön an Miriam veröffentlichen:

Durch Covid19 haben sich zwei zentrale Aspekte verändert: Der Raum, den digitale Technologien in der Kommunikation und durch hybrides Arbeiten (Homeoffice) einnehmen und Veränderungen, die stärker in den Vordergrund gerückt sind. Es gibt scheinbar unendlich viele Kompetenzen, die in diesem Zusammenhang relevant sind. Aber welche sind für die Zusammenarbeit nach Corona denn nun wichtig? Und sind das wirklich neue Kompetenzen oder sind „alte“ nur wieder in den Fokus gerückt? Diesen Fragen werden wir mit Blick auf sieben Kompetenzen nachgehen:


1. Kommunikation & Mitgefühl

Dass Kommunikationsfähigkeit wichtig ist, ist nicht neu und auch wenn sie nicht unbedingt an Bedeutung gewonnen hat, hat sich die Anforderung an Kommunikation verändert. Denn digitale Kommunikation erfordert häufig mehr Fingerspitzengefühl um z.B. keine Müdigkeit angesichts der Menge an Mails hervorzurufen und mehr Klarheit, um Missverständnisse zu vermeiden. Durch die digitale Vernetzung wird die Art und der Umfang an Kommunikation vor neue Herausforderungen gestellt (weiterführend: 5 Kommunikationstipps).


Mitgefühl hilft in der Interaktion mit anderen, es geht dabei darum, deren Perspektiven und Prioritäten zu verstehen, sich im Hinblick auf Gefühle, Gedanken und Einstellungen in andere hineinversetzen zu können (Empathie) und dann auch erste Schritte zu gehen und zu handeln. Durch die Pandemie war weniger direkter formellen und informeller Austausch möglich und weniger Wissen über andere vorhanden. Mitgefühl kann diesen Mangel ausgleichen.


2. Digitale Kompetenz

Digitale Kompetenzen lassen sich unterteilen in:

  • digital literacy: z.B. Funktionsweise von Programmen und Umgang mit Daten im Netz

  • digital interaction: z.B., Unterscheidung und bewusste Anwendung der Regeln digitaler Interaktionen und Face-to-Face Gesprächen

  • digital ethics: Moralische Einordnung des Umgang miteinander des Ablaufs im digitalen Raum

  • digital collaboration: Kenntnisse von der Struktur der Zusammenarbeit, z.B. wer auf was (keinen) Zugriff hat

  • digital learning: z.B. sich mithilfe digitaler Lösungen das überall und jederzeit abrufbare Wissen anzueignen


Die Nutzung von digitalen Technologien im Arbeitsalltag ist insgesamt zwar nicht neu, boomt aber seit der Pandemie und war in manchen Arbeitsbereichen vorher fast gar nicht vorhanden. So ist es inzwischen schon fast normal, eine Dienstreise (wenn möglich) durch eine virtuelle Konferenz zu ersetzen. Daher ist es in der Zukunft besonders wichtig sich mit den verschiedenen Anwendungen auszukennen und die Technik in der Zusammenarbeit einzusetzen zu wissen. Dies wird vor allem notwendig durch das hybride Arbeiten, das in einigen Organisationen zum Alltag werden wird und durch die schon integrierten technischen Hilfsmittel, die nicht wieder verschwinden werden.


3. Selbstmanagement

Selbstmanagement meint sich selbst durch die Nutzung von Strategien steuern zu können (Reinecker, 2018). Auch das ist nicht neu, aber durch den Boom des Homeoffice für deutlich mehr Personen relevant als vorher und hat daher an Bedeutung gewonnen. So ist es z.B. wichtig sich seine Zeit sinnvoll einteilen und Privates von Arbeit trennen zu können. Selbstmanagement ist also eine wichtige Voraussetzung um eigenverantwortlich und mobil gut arbeiten zu können (weiterführend: Neue Kompetenzen im Homeoffice).


4. Resilienz und Wohlbefinden

Resilienz ist die seelische Widerstandskraft und meint die Fähigkeit mit Stress und Krisen gut umgehen zu können. Sie hängt eng mit dem Wohlbefinden zusammen, da man sich auch besser fühlt, wenn man Schwierigkeiten gut bewältigen kann. Es ist keine neue Entdeckung, dass es die Arbeitsfähigkeit und das Wohlbefinden erhält, wenn man sich gut von schwierigen Themen oder Situationen abgrenzen kann und für sich sorgt. Trotzdem ist diese Kompetenz durch die Anhäufung von Problemen, mit denen man in der Pandemie konfrontiert wurde, wieder stärker in den Fokus gerückt.




5. Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit

Veränderungsfähigkeit bedeutet, sich langfristig auf Weiterentwicklungen einzustellen und Veränderungen dauerhaft annehmen zu können. Dazu gehört aber nicht nur die Fähigkeit, sondern auch die Veränderungsbereitschaft und -möglichkeit. Als Reaktion auf eine Änderung ist es dann nötig sich anpassen zu können. Man spricht auch von Robustheit als kurzfristige Reaktionsfähigkeit und mittel- bis langfristiger Anpassungsfähigkeit. In Zeiten des Wandels ist dies nötig, um langfristig gut arbeiten zu können und sich dabei auch wohlzufühlen. Insgesamt ist diese Fähigkeit während der Pandemie wieder wichtiger geworden und wird es auch bleiben (weiterführend: Neue Kompetenzen im Homeoffice).


6. Flexibilität und Kreativität

Flexibilität bedeutet, sich kurzfristig an geänderte Rahmenbedingungen anpassen zu können. Sie hängt eng mit der Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit zusammen. Außerdem besteht ein enger Zusammenhang zur Problemlösefähigkeit, die meint, dass Probleme ohne vorgefertigte Lösung mit eigener Urteilskraft und idealerweise auch Kreativität gelöst werden können. Auch das sind keine neuen Kompetenzen, die es erst seit Covid19 gibt, aber sie sind seitdem wieder stärker in den Vordergrund gerückt.


7. Gespür für Veränderungen

In einer Welt in der sich schnell und viel verändert, ist es von Vorteil, wenn man schon schwache Signale als Vorboten von gravierenden Veränderungen erkennen und somit den Wandel aktiv mitgestalten kann, ohne von ihm überrollt zu werden (weiterführend Theorie U und die Presencing-Methode von Otto Scharmer). Mit der Zeit zu gehen ist zwar keine neue Erkenntnis, wurde aber bisher in vielen Arbeitsbereichen noch nicht explizit angegangen. In diesen Bereichen musste das daher nachgeholt werden, als die Pandemie alles durcheinander wirbelte. Um für zukünftige Änderungen gewappnet zu sein, ist es also notwendig Innovationen voranzutreiben. Covid19 hat uns gelehrt, dass ein Gespür für Veränderungen besonders im Falle einer Krise von Vorteil ist und hat dadurch vor allem für die Zeit danach an Relevanz gewonnen.


Insgesamt sind die hier betrachteten Kompetenzen also keine neuen Entdeckungen. Stattdessen sind einige wieder stärker in den Fokus gerückt, während andere für eine breitere Personengruppe relevant wurden. Die Präsenz von digitalen Technologien beeinflusste vor allem die Kommunikation, die Selbstmanagementfähigkeiten, die erforderliche Flexibilität und natürlich die digitalen Kompetenzen. Das explizite Mitdenken von Veränderungen hatte Auswirkungen auf die Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit, Resilienz, genauso die Flexibilität und schließlich das Gespür für Veränderungen.


Manche Kompetenzen, wie z.B. die Flexibilität, die Kreativität und die Anpassung- und Veränderungsfähigkeit, können durch die Unternehmenskultur gefördert werden, in dem diese sie zulässt und explizit wertschätzt. Andere bringen wir schon mit oder sie lassen sich gut schulen, wie z.B. die digitalen Fähigkeiten, die Kommunikation und das Selbstmanagement. Und es gibt einige spannende Ansätze, wie z.B. die Presencing-Methode von Otto Scharmer, die uns Werkzeug an die Hand geben unsere Zukunft zu gestalten.


Quellen:

https://www.ikk-classic.de/gesund-machen/arbeiten/future-skills

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/leadership/5-fuehrungskompetenzen-fuer-die-post-corona-wirtschaft/

https://www.businesswire.com/news/home/20200825005599/en/Seven-Crucial-Skills-Lost-During-Lockdown

https://www.edweek.org/technology/top-u-s-companies-these-are-the-skills-students-need-in-a-post-pandemic-world/2021/03

Reinecker (2018): Selbstmanagement. In: J. Margraf, S. Schneider (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1

https://www.haufe.de/personal/hr-management/studie-zu-arbeitsmodellen-nach-der-coronapandemie_80_538918.html

https://www.xing.com/news/articles/homeoffice-ruckkehr-ins-buro-oder-hybrides-modell-von-adidas-bis-zalando-wie-die-dax-konzerne-die-zukunft-planen-4737188?cce=em5e0cbb4d.%3APm-l-tFJYKBPnO_ZHlzAAH

https://www.roberthalf.de/blog/neue-kompetenzen-fuer-eine-neue-arbeitswelt

https://www.roberthalf.de/blog/corona-befeuert-digitalisierung-so-halten-unternehmen-beim-tempo-mit

https://www.randstad-stiftung.de/images/uploads/Publikationen/Neue_Kompetenzen_im_Homeoffice_download.pdf

https://arbeits-abc.de/effektiver-kommunizieren/?xing_share=news

https://www.humanresourcesmanager.de/leadership/4-thesen-fuer-den-neustart-nach-dem-lockdown/

https://www.onetoone.de/artikel/db/835078cr.html

https://www.der-bank-blog.de/6-eckpfeiler-einer-widerstandsfaehigen-organisation/studien/37682910/


Bilder:

https://unsplash.com/photos/WE_Kv_ZB1l0 / "love to learn" by Tim Mossholder on unsplash.com

https://pixabay.com/de/illustrations/symbol-netzwerke-internet-sozial-7124822/ digitale Kompetenzen

https://pixabay.com/de/photos/cham%c3%a4leon-reptil-tier-233095/ Anpassung & Veränderung