Von Führungskraft und Führungsarbeit

Führung ist Arbeit. Häufig harte Arbeit. Wird zwar monetär in den meisten Fällen angemessen vergütet, das wiederum wiegt aber den Einsatz selten auf. Führungskräfte sind immer größerem Druck ausgesetzt – Ziele werden anspruchsvoller, Innovationszyklen werden kürzer, Budgets werden knapper, Mitarbeiter werden selbstbewusster und die Kollegen werden rabiater…

Alternative (demokratische) Führungsprinzipien sind in den letzten Jahren vielfach sehr erfolgreich umgesetzt worden und systematisch aufbereitet sowie nachvollziehbar beschrieben worden. Das mag auch daran liegen, dass immer häufiger der Wunsch nach mehr Teilhabe und mehr Mitsprache auf Mitarbeiterseite artikuliert wird begegnet und Mit-arbeiter auch mit-gestalten wollen.



Eine ganze Reihe an Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass zielgerichtete, erfolgreiche Zusammenarbeit auch anders als in klassisch hierarchischen Linien- oder Matrixorganisationen möglich ist.

Modelle wie Soziokratie, Holacracy, Scrum, Agile, Netzwerk-Organisationen leben den Gedanken einer gemeinsamen Unternehmung anders und basieren auf teilweise sehr unterschiedlichen Prinzipien. Die Wirkungsweise ist dennoch vielfach ähnlich und durchaus erfolgreich.

Der Auslöser, grundlegende Organisationsprinzipien zu verändern, ist dabei nicht immer die so oft beschworene VUKA-Welt, wie das z.B. Holacracy für sich reklamiert. Die Soziokratie zum Beispiel geht von zwei zentralen Werten aus: Effektivität und Gleichwertigkeit. Der Ansatz der „kollegialen Führung“ wiederum verfolgt den Zweck, Entscheidungsprozesse in der Organisation zu beschleunigen und verteilt dazu Verantwortung dynamisch und situativ.

In ihrem Buch „Das kollegial geführte Unternehmen“* beschreiben Bernd Oestereich und Claudia Schröder einen gut skalierbaren und individuell anpassbaren Ansatz, eine klassisch hierarchische Führungsorganisation in eine „kollegial geführte“ Organisation zu überführen.


Bei Piri-Piri Consulting arbeiten wir nach kollegialen Prinzipien. Wir sind dabei keinem spezifischen Modell verpflichtet sondern arbeiten mit den Methoden und Tools, die uns für die jeweilige Aufgabe am praktikabelsten erscheinen.

Für unsere meetings zum Beispiel orientieren wir uns an der soziokratischen Methode, die ich Euch hier gerne vorstelle:


Eröffnung

  • Kurzer check-in

  • Organisatorisches

  • „Wie bin ich da?“

  • Wer ist da? Wer fehlt?

  • Zeit für das meeting

  • Protokoll

  • Informationen

  • Termin nächstes meeting

Inhalt

  • Konsent* über die Agenda

  • Agendapunkt 1 (Bericht)

  • Ziel: Verstehen

  • Agendapunkt 2 (Erkundung)

  • Ziel: Verstehen und Erkunden

  • Agendapunkt 3 (Entscheidung)

  • Ziel: Verstehen, Erkunden und Entscheiden

  • Themenspeicher auffrischen

Abschluss

  • Meeting Evaluation

*Konsent ist ein soziokratisches Entscheidungsverfahren, das ich in einem der nächsten blogs vorstellen werde.


Einzelne Agendapunkte werden nicht „ausdiskutiert“. Das soziokratische Prinzip sind sog. „Runden“, in denen jeder Teilnehmer seine Frage stellen kann, seine Ansicht mitteilen kann oder sich für eine Entscheidung positioniert. Eine straffe Moderation verhindert üblicherweise auftretende Gruppeneffekte (Vielredner, notorische Schweiger, etc.).

Das Prinzip soziokratischer meetings ist eine klare Struktur. Diese ermöglicht Effektivität - die Art und Weise, wie einzelne Agendapunkte besprochen werden („Runden“) sichert Gleichwertigkeit.

Auch die soziokratische Methode hat ihre Tücken – zuviel Struktur kann Kreativität verhindern und letzten Endes hängt es auch hier stark vom Moderator ab, wie erfolgreich (im Sinne der beiden Werte Effektivität und Gleichwertigkeit) das meeting am Ende wird.

Zu guter Letzt macht selten die "richtige" Methode den Unterschied, wie erfolgreich ein Team zusammenarbeitet sondern der individuelle Umgang damit. Und der will behutsam eingeführt und gelernt werden.



* zum Weiterlesen:

Oestereich, B. und Schröder, C. (2017): Das kollegial geführte Unternehmen. Verlag Franz Vahlen; München

Rau, Ted J. und Koch-Gonzalez, J. (2018): Many voices one song. Sociocracy For All; Massachusetts, USA

Robertson, Brian J. (2015): Holacracy. Ein revolutionaries Management-System für eine volatile Welt. Verlag Franz Vahlen; München

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Rutger Bregman

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