Vielfalt, Beteiligung und Augenhöhe – wie wollen wir zusammenarbeiten?




„Unsere größten, aktuellen Probleme fußen auf einer Beziehungskultur, in der wir uns gegenseitig zum Objekt unserer Bewertungen und Absichten machen.“ (Gerald Hüther)

Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht andere Menschen, um zu lernen und sich zu entwickeln. Es ist ein Trugschluss, dass jeder sich selbst genug ist und wir zu unserem Glück nichts weiter tun müssen als unsere eigenen Interessen zu verfolgen. Unser Zusammenleben ist nicht mehr überwiegend von Instinkten geleitet, sondern wir müssen das Zusammenleben mit anderen Menschen lernen und zwar im Zusammenleben mit diesen anderen Menschen.


Hüther macht unsere kriegerische Vergangenheit dafür verantwortlich, dass wir uns über andere erheben und diese zum Objekt unserer Absichten machen, wir den anderen dominieren. Denn für die gewaltvollen Auseinandersetzungen und für das bloße Überleben war dies notwendig und hilfreich.


Diese alten hierarchischen Strukturen erfüllen ihren Dienst heute an vielen Stellen nicht mehr, wir nehmen sie als Beschränkungen wahr. Sie hindern uns an der Entfaltung unserer Potenziale und daran, durch Beteiligung, die bereits vorhandenen Ressourcen zur Zusammenarbeit und Lösung unserer Probleme zu nutzen.


Doch wenn es uns gelingt, einander auf gleicher Höhe in die Augen zu blicken, den anderen wahrnehmen, mit allem, was ihn oder sie als Mensch ausmacht, was bedeutet das für unsere Zusammenarbeit? Der Wunsch nach einer anderen, einer menschlicheren Begegnung ist allerorten hörbar. Beinahe ebenso groß wie der Wunsch ist allerdings auch die Ratlosigkeit. Wir haben nicht gelernt, wie wir miteinander arbeiten, andere informieren, diskutieren und Entscheidungen treffen, wenn die alte Logik der Hierarchie keine Gültigkeit mehr hat. Wenn wir versuchen, die alten Dinge zu tun, mit einem Lächeln im Gesicht und mit dem guten Willen, in dem alten Tun wenigstens etwas von dem neuen Geist durchscheinen zu lassen, dann merken wir schnell, die Sache hat einen Haken. Wir brauchen nicht nur eine neue Haltung, sondern zu dieser Haltung passende Praktiken und Methoden um zielgerichtet mit anderen auf Augenhöhe zusammenarbeiten zu können.


Hierzu gibt es schon einige Ideen, die sich nach und nach in der Praxis wiederfinden. Die Liberating Structures zum Beispiel. Das sind 33 Mikrostrukturen oder Methoden zur Zusammenarbeit, die dazu dienen, die Beteiligung zu erhöhen und die Kontrolle über Inhalte zu dezentralisieren.


“Die konventionellen Strukturen, in denen Menschen tagtäglich zusammenarbeiten, unterdrücken unabsichtlich die Einbeziehung und das Engagement der Beteiligten.” www.liberatingstructures.de

Manche dieser Methoden sind alte Bekannte, wie die FishBowl, Open Space oder die Appriciative Interviews. Andere sind mir neu. Die Anwendung dieser Methoden macht nicht nur einen Unterschied in der Zusammenarbeit, sondern auch in der Art wie wir uns als Menschen begegnen. Die Liberating Structures fördern die Beteiligung, geben Raum und gleichzeitig genügend Struktur, um Ergebnisse zu erzielen. Sie sind leicht zu erlernen, frei verfügbar, und die Erfahrungen und Weiterentwicklung der LS ist in Usergroups organisiert, die sich regional finden.


Im Raum Karlsruhe sind wir Teil des Orga Teams, das regelmäßig Liberating Structures User Group Formate anbietet, um die Strukturen erlebbar zu machen. Sie finden die Gruppe auf Xing.


Probieren Sie die Liberating Structures doch einfach mal aus. Wir freuen uns über eine Rückmeldung :-)