Kein "Weiter so." - Wie wir es schaffen, aus der Krise gestärkt und verändert hervorzugehen.


Krisenzeiten sind Zeiten von Musteraktivierung. Wir funktionieren im "Notlaufmodus". Wir haben soviel gleichzeitig auf dem Radar, dass Zeit und Energie fehlen (manchmal tatsächlich auch die Möglichkeiten), sich auf die wenigen, wichtigen Dinge zu fokussieren und diese tatsächlich auch nach unseren Möglichkeiten zu gestalten.

Statt dessen greifen wir auf altbewährte Verhaltensmuster zurück, in der Hoffnung, auch diese Krise damit bewältigen zu können.

Take the stairway.

Wer die Krise nutzen will, Veränderungen umzusetzen, tut gut daran, sich von alten Mustern zu lösen. Die Lösungen von gestern passen selten auf die Herausforderungen von heute. Wenn wir uns dann noch vor Augen führen, dass 70 - 75% der angestoßenen Veränderungsvorhaben in Unternehmen fehlschlagen, bleibt die Frage:


Was können wir verändern, um Veränderungen erfolgreich zu machen?

Nadya Zhexembayeva* nennt in der Harvard Business Review 3 Ansätze, die wir verändern müssen:

  1. No more "best practice"! Statt dessen: sprechen Sie gemeinsam über eigene Fehler oder Schwächen. Der gute alte Rat, "sich eine Scheibe abzuschneiden" (vom scheinbar erfolgreichen Verhalten anderer), führt eher dazu, dass wir in unserem Selbstwertgefühl bedroht sind. Und das wiederum hindert uns eher daran, unser volles geistiges Potenzial zur Lösung von Problemen nutzen zu können. Die Alternative: Teilen Sie eigene peinliche oder gar blamable Erfahrungen mit Ihren Kollegen. Die Folge ist normalerweise eine schnellere und tiefere Beziehung, die uns ermöglicht, kreativer mit Herausforderungen umzugehen. (Teams, die vor einer brainstorming Übung ein peinliches Ereignis aus den letzten 6 Monaten geteilt hatten, produzierten 26 % mehr Ideen und viel unterschiedlichere Ideen als Teams, die Erfolgsgeschichten geteilt hatten). Tipp: Führen Sie einen "Peinlichkeiten warm-up" in ihre meetings ein! (mit ein bißchen Humor geht's vielleicht einfacher)

  2. No more "never change a running team"! Statt dessen: suchen Sie gezielt nach Sollbruchstellen! Solange etwas gut läuft, gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Diese Haltung führt nicht selten dazu, dass eine kleine Veränderung (im Kundenverhalten, in der Umwelt,...) gravierende Folgen nach sich zieht. Eine gute Übung, um dem vorzubeugen, ist es, sich vorzunehmen alles herauszufinden, was das Unternehmen/ das aktuelle Projekt/ die Abteilung in den Untergang treiben könnte. Der "Kill our company"-Tag wird ausgerufen! Tipp: Nehmen Sie sich die Zeit, mit einer bunt zusammengestellten Gruppe explizit nach Möglichkeiten zu suchen, wie Sie Ihr Unternehmen in den Untergang führen (können).

  3. No more "treasure guarding"! Statt auf einer gut gefüllten Schatztruhe zu sitzen: teilen Sie Aktivposten ("assets") mit anderen! Eine ganze Reihe neuer Geschäftsmodelle sind (lediglich) Vermittlungsplattformen für fremdes Eigentum. Firmen oder Privatpersonen können Ihre assets teilen und so weitere Einnahmen generieren (Airbnb, V-Industry GmbH, etc.). Tipp: Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und die Dokumente über verfügbare assets in Ihrem Unternehmen zur Hand. Prüfen Sie, was davon Sie anderen zugänglich machen können. Suchen Sie nach Plattformen, über die Sie Ihre assets vermitteln können oder bauen Sie diese Plattform selbst auf.

Zugegeben: Es gehört schon Mut dazu, das anzugehen. Aber wann, wenn nicht jetzt ist dafür die passende Gelegenheit?

Dass wir die Art und Weise, wie wir Veränderungen vorantreiben, verändern müssen, ist eine Binsenweisheit. Ideen, wie das gelingen kann, gibt es genug. Es ist an der Zeit, sie auszuprobieren.

In der Hoffnung, dass wir diese Welt ein wenig besser aus der Krise herausführen**, als wir sie hineinmanövriert haben.

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https://hbr.org/2020/06/3-things-youre-getting-wrong-about-organizational-change?

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https://www.socialeurope.eu/a-social-green-deal-with-just-transition-the-european-answer-to-the-coronavirus-crisis

https://www.zeit.de/kultur/2020-04/neoliberalismus-krisen-kapitalismus-coronavirus-politik/komplettansicht

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"Mit dem Menschenbild ändert sich alles."  

Rutger Bregman

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