Beteiligung macht Lust auf Beteiligung

Wie partizipative Praktiken über Unternehmensgrenzen hinweg wirken


Eine Studie zeigt, demokratische Praktiken verändern die Einstellung zu Autorität, Gerechtigkeit und Beteiligung und zwar zu Ungunsten von Autorität und zu Gunsten von partizipativen Aktivitäten außerhalb der Organisation.

Dann ist natürlich schon klar, wenn ich die Machthaberin eines autoritär geführten Staates bin, dass es klug ist, nicht nachzulassen und ich Partizipation wirklich konsequent verhindern muss. Wenn ich aber Geschäftsführerin bin und mir wünsche, meine Mannschaft würde sich stärker an der Arbeit beteiligen, dann könnte ich es einfach mal mit einem kleinen weekly probieren...

Die University of California Los Angeles hat gezeigt, dass schon kleine demokratische Praktiken die Einstellung zu Beteiligung verändern. Im ersten Teil der Studie wurden chinesische Textilarbeiter in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe hatte wie gewohnt ihr zwanzig-minütiges wöchentliches Meeting mit dem Teamleiter, der die Leistung der Gruppe dargestellt und jedem Arbeiter individuelle Ziele vorgegeben hat. Die andere Gruppe hielt statt dessen einmal pro Woche ein partizipatives Meeting ab, in dem jeder dazu angeregt wurde, über seine Erfahrungen bei der Arbeit, die Verbesserung der Zusammenarbeit und des Outputs zu diskutieren. Die Teamleiter nahmen nicht an diesen Meetings teil und die Arbeiter setzten sich ihre Wochenziele selbst.

Diese Anordnung wurde für 6 Wochen beibehalten. Folgende Dimensionen wurden anschließend untersucht:

· Haltung gegenüber Autoritäten

· Glaube an eine gerechte Welt

· Auffassung wie häufig unterschiedliche soziale Gruppen in Konflikt geraten

· Teilnahme an Aktivitäten außerhalb der Arbeit

Es zeigte sich, dass, obwohl die Arbeiter dem Gehorsam gegenüber Autoritäten grundsätzlich eher zustimmten, die Versuchsgruppe eine deutlich weniger positive Einstellung gegenüber Autoritäten entiwckelte. Die Arbeiter der partizipativen Versuchsgruppe glaubten auch weniger an eine gerechte Welt und berichteten eher von Konflikten zwischen Managern und Arbeitern. Außerdem sagten sie aus, dass sie eher an politischen oder familiären Aktivitäten teilnehmen würden als die Vergleichsgruppe.

Ähnliche Ergebnisse zeigten sich im zweiten Teil der Untersuchung mit Verwaltungsangestellten einer amerikanischen Universität. Wenngleich die Teilnehmer bereits vor der Untersuchung dem Gehorsam gegenüber Autoritäten eher weniger zustimmten, verringerte sich die Zustimmung in der Versuchsgruppe deutlich gegenüber der Kontrollgruppe.

Was die Forscher damit gezeigt haben, ist zum einen, dass die Einstellung gegenüber Autoritäten kein stabiler Persönlichkeitsfaktor ist, sondern schon durch selbst weniger umfangreiche Erfahrung mit Beteiligung veränderbar ist. Zum anderen scheint diese Erfahrung die Teilnahme an politischen und familiären Aktivitäten zu erhöhen. Dies deutet darauf hin, dass demokratische Beteiligung am Arbeitsplatz sich über das Unternehmen hinaus auf die Familie und die Gesellschaft auswirken kann.

Beteiligung macht Lust auf Beteiligung.


Quelle: https://www.nature.com/articles/s41467-020-16383-6


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Rutger Bregman

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